
In der modernen Welt haben wir das natürliche Sitzen fast vollständig verlernt. Wir verbringen Stunden auf Stühlen mit 90-Grad-Winkeln in Hüfte und Knie. Doch unser Körper ist für maximale Beweglichkeit konstruiert. Eine der wertvollsten Positionen, die wir im Laufe des Lebens oft verlieren, ist der Fersensitz.
Was ist der Fersensitz eigentlich?
Der Fersensitz ist eine Ruheposition, bei der man mit maximal angewinkelten Knien auf den eigenen Fersen sitzt. Die Fußrücken liegen dabei flach auf dem Boden auf. Was für Kinder spielerisch leicht ist, wird für viele Erwachsene im Laufe der Jahre zu einer schier unmöglichen Herausforderung.
Die enorme Bedeutung für Ihre Kniegesundheit
Das Kniegelenk wird oft unterschätzt: Es ist weit mehr als ein simples Scharnier – es ist ein hochkomplexes Roll-Gleit-Gelenk. Das bedeutet, die Gelenkflächen rollen und gleiten aufeinander, was erst in den extremen Winkeln seine volle Wirkung entfaltet. Wenn wir den Fersensitz beherrschen, nutzen wir diesen gesamten Radius und signalisieren dem System: „Diese volle Flexion wird benötigt.“
- Druckverteilung und Knorpelernährung:
Durch den vollen Einschlag im Knie wird der Gelenkknorpel wie ein Schwamm ausgepresst und beim Lösen wieder mit frischer Gelenkflüssigkeit (Synovia) vollgesogen. Das ist essenziell für die Prävention von Arthrose. - Fasziale Freiheit:
Er dehnt die gesamte Oberschenkelvorderseite (Quadrizeps) sowie die Schienbeinmuskulatur und die Fußrücken – Bereiche, die durch langes Sitzen massiv verkürzen.
Wenn der Fersensitz nicht mehr klappt: Ursachen und Warnsignale
Wer nicht mehr schmerzfrei in den Fersensitz kommt, leidet meist unter muskulär-faszialen Überspannungen.
Verkürzungen
Durch den Bewegungsmangel im Alltag passen sich die Faszien der dauerhaften Beugung von nur 90 Grad an. Sie werden spröde und unnachgiebig.
Kräfte im Gelenk: Der Seilzug-Effekt
Deine Oberschenkelmuskulatur funktioniert wie ein Seilzug, bei dem die Kniescheibe als Umlenkrolle dient. Sind Muskeln und Faszien jedoch verkürzt, entsteht eine unphysiologische Zugspannung. Die Kniescheibe wird dadurch wie unter einem zu fest gezogenen Gurt in ihr Gleitlager gepresst. Dieser „Dauerdruck“ belastet die Knorpelflächen massiv und weit über das gesunde Maß hinaus.
Der Alarmschmerz
Wenn das Gehirn registriert, dass der Druck im Gelenk die Struktur (Menisken, Knorpel) gefährdet, schaltet es einen Alarmschmerz davor. Dieser Schmerz ist kein Zeichen von Zerstörung, sondern ein Schutzprogramm des Gehirns, um Sie vor einer weiteren Bewegung in den gefährlichen Bereich zu stoppen.
So erlernst du den Fersensitz (Schritt für Schritt)
Geduld ist hier der wichtigste Begleiter. Da Muskeln und Bindegewebe Zeit brauchen um sich umzubauen, solltest du mit folgenden Etappen planen:
- Die Erhöhung:
Lege dir ein festes Kissen oder eine Faszienrolle zwischen Waden und Oberschenkel, um den Winkel am Anfang zu vergrößern. - Die Unterlage:
Polstere deine Knie und Fußrücken weich ab. - Die Steigerung:
Reduziere die Höhe der Unterlage Woche für Woche millimeterweise.
Wichtig: Geh nur so weit in die Dehnung, dass du noch ruhig atmen kannst, es sollte nicht „quälen“ (Intensität ca. zwischen 6-8 auf einer Skala bis 10).
Die Rolle des Gegenspannens: Die „Sicherheits-Software“ überlisten & Kraft aufbauen
Um tiefer in die Dehnung zu kommen, nutzen wir einen neurologischen Trick. Gefwnspannen: Während du in der maximalen Dehnung im Fersensitz bist, drücke die Fußrücken und Schienbeine für ca. 10-15 Sekunden aktiv in den Boden (als wolltest du aufstehen, aber ohne sich zu bewegen).
Dabei entstehen folgende Effekte:
- Der Software-Hack:
Dein Gehirn schaltet normalerweise eine Schutzspannung vor das Gelenk – wie eine elektrische Bremse, die das Gewebe vor dem vermeintlichen Zerreißen bewahren will. Durch das kraftvolle Anspannen signalisierst Du deinem Nervensystem, dass die Position sicher und kontrolliert ist. Das Gehirn löst die Bremse. - Das Krafttraining am Anschlag:
Gegenspannen ist weit mehr als Dehnen – es ist hochwirksames Krafttraining am Bewegungsanschlag. Du kräftigst deine Muskulatur genau dort, wo sie bisher am schwächsten und unnachgiebigsten war. So wirst du nicht nur beweglich, sondern gleichzeitig stabil und belastbar.
Das Finale: Die Aktivdehnung und das neue Programm
Das Beenden der Übung ist entscheidend für den dauerhaften Erfolg. Wir sprechen hier von der Aktivdehnung.
Wenn du die Dehnung verlässt, tu dies nicht passiv. Versuche, die Ferse aktiv noch für einen Moment (10 sec.) mit voller Kraft in Richtung Gesäß zu ziehen. Dazu legst du dich vorher nach vorn auf den Bauch und ziehst beide Beine zum Gesäß.
Warum? Damit aktualisierst du das „Bewegungsprogramm“ in den Basalganglien (einem Bereich im Gehirn, der Bewegungsabläufe steuert). Sie speichern den neu gewonnenen Winkel als „sicher“ und „nutzbar“ ab. Nur so bleibt die Flexibilität langfristig erhalten.
Zeitrahmen für Fortschritte
Faszien verändern sich langsam. Während du oft schon nach der ersten Einheit eine Erleichterung spürst, dauert der strukturelle Umbau des Gewebes etwa 6 bis 12 Monate bei regelmäßigem Training (idealerweise täglich).
Dein Weg zur Schmerzfreiheit und Prävention
Ob kurativ – also wenn bereits Schmerzen bestehen – oder präventiv, um deine Knie bis ins hohe Alter leistungsfähig zu halten: Der Fersensitz ist ein mächtiges Werkzeug.
Doch jeder Körper ist individuell. Wenn du Unsicherheiten beim Üben hast, der Alarmschmerz zu stark ist oder du eine gezielte Unterstützung nach der Liebscher & Bracht Methode suchst, stehe ich dir gerne zur Seite.
Hallo, mein Name ist
Thomas Aust
Ihr Partner für ein schmerzfreies Leben
Als zertifizierter Liebscher & Bracht Schmerztherapeut begleite ich Sie mit Empathie und fachlicher Expertise auf Ihrem Weg aus dem Schmerz. Meine eigene Geschichte vom Schmerzpatienten zum Therapeuten treibt mich täglich an, Ihnen die bestmögliche „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu bieten – präzise, nachhaltig und individuell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten.
So erreichen Sie mich:
Möchten Sie den ersten Schritt in ein beweglicheres Leben gehen? Sie können Termine ganz einfach telefonisch vereinbaren.
für Halle & Umgebung:
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+49(0) 381 - 51079743
Hinweis: Die gezeigten Übungen dienen der Prävention und allgemeinen Gesundheitsförderung. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung bei akuten medizinischen Problemen.
Die wichtigsten FAQs zum Fersensitz
Darf ich den Fersensitz auch bei Meniskusschäden oder Arthrose machen?
Ja, gerade dann ist die Bewegung in fachlich abgestimmter Intensität oft entscheidend. Es geht darum, verbrauchte Stoffwechselprodukte aus dem Gelenkspalt zu ‚pressen‘ und den Knorpel durch den anschließenden Entlastungseffekt wieder mit frischen Nährstoffen zu fluten. Bei akuten Entzündungen halten Sie jedoch bitte Rücksprache mit mir.
Meine Füße krampfen oder die Schienbeine ziehen extrem – was tun?
Das ist ein klassisches Zeichen für eine muskulär/fasziale Verkürzung der Vorderseite. Lege ein zusammengerolltes Handtuch unter die Fußgelenke, um den Winkel zu verkleinern, und steigere langsam.
Wie lange sollte ich in der Position bleiben?
Für eine nachhaltige Veränderung des Gewebes sind ca. 2 bis 2,5 Minuten ideal. Das gibt den Faszien die nötige Zeit, um unter dem moderaten Zug nachzugeben.
Warum schmerzen meine Knie nach der Übung beim Aufstehen?
Das ist der sogenannte „Umkehrschmerz“. Das Gewebe war maximal gedehnt und muss sich erst wieder sortieren. Beweg die Beine danach locker im Stehen, dann verschwindet das Gefühl schnell.
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